Kirche

Geschichtliche Entwicklung 

Über die Geschichte der Lokalkaplanei bzw. Kuratie Riedenberg gibt es bereits verschiedene Veröffentlichungen. In seinen Anfangsjahren gehörte das gesamte Riedenberg zur Pfarrei Schondra. Diese Pfarreizugehörigkeit kann schon für das Jahr 1580 nachgewiesen werden, Riedenberg wird im Visitationsbericht neben Schönderling als Filiale von Schondra aufgeführt.

1706 wurde der Gemeinde Riedenberg die Bauerlaubnis für eine „Capelle“ erteilt. Am 12.November 1706 wurde der Grundstein durch Pfarrer Heinrich Egels von Schondra gelegt, am 23.08.1708 wurde sie eingeweiht. Noch im gleichen Jahre wurde die Bitte nach Würzburg gerichtet, durch einen Franziskaner zuweilen einen Gottesdienst in der neuen Kirche halten zu lassen und einen eigenen Friedhof anlegen zu dürfen.

Die Loslösung Riedenbergs aus der Pfarrei Schondra geschah im Zusammenhang mit der vertraglichen Regelung der Jurisdiktion zwischen Bischof Franz von Schönborn und Abt Konstantin von Buttlar im Jahre 1722. Würzburg verzichtete in diesem Vertrag auf seine kirchlichen Ansprüche auf die Pfarrei Schondra (die politische Zugehörigkeit zu Fulda war ohnehin nicht umstritten), Schondra gehörte hinfort unwidersprochen zur Abtei Fulda. Dabei wurde der würzburgische Teil Riedenbergs aus Schondra aus- und nach Oberbach eingepfarrt, der fuldische Teil verblieb zunächst bei Schondra, kam bald aber zur Pfarrei Brückenau.

Den Gottesdienst in Riedenberg hielten zumindest zeitweise die Franziskaner vom Volkersberg, später auch vom Kreuzberg. Die Klöster begannen aber unter Priestermangel zu leiden und konnten schließlich die Seelsorge nicht mehr übernehmen. So mussten die Riedenberger zeitweise nach Oberbach zur Kirche gehen, oder der Pfarrer von Oberbach hielt Gottesdienste in Riedenberg. Man wandte sich an das bischöfliche Ordinariat nach Würzburg mit der Bitte um einen eigenen Lokalkaplan und verpflichtete sich von Seiten der Gemeinden, zum Unterhalt beizutragen. Am 01.Oktober 1830 wurde durch Bischof von Groß zu Trockau eine provisorische Lokalkaplanei in Oberriedenberg errichtet. Die Lokalkaplanei sollte so lange bestehen bleiben, bis das Franziskanerkloster auf dem Kreuzberg wieder einen Stationar in die beiden Dörfer senden konnte. Die beiden Gemeindeverwaltungen von Ober- und Unterriedenberg hatten erklärt, dass bei der Aufstellung eines eigenen Lokalkaplans eine Auspfarrung von Unterriedenberg aus der Pfarrei Brückenau nicht beabsichtigt war. Demzufolge hatte Unterriedenberg zum Pfarr- und Kirchenbau sowie zur Deckung von Defiziten der Kirche Brückenau weiterhin beizutragen. Diese Frage führte aber zum Streit mit Brückenau bzw. der dortigen Kirchenverwaltung, er zog sich bis in die vierziger Jahre hin. Die Schwierigkeiten ließen die amtlichen Stellen nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Eine Abtrennung Unterriedenbergs von Brückenau und Zuweisung als Filiale nach Oberbach, aber auch eine Trennung Oberriedenbergs von Oberbach und Zuführung zur Pfarrei Brückenau wurden 1848 erwogen.

Im Jahre 1850 wurde Unterriedenberg schließlich ganz aus dem Pfarrverband Brückenau gelöst und nach Oberbach eingepfarrt, Riedenberg wurde eine Lokalkaplanei der Pfarrei Oberbach. Über den Unterhalt des Kaplans findet sich eine Aufstellung aus dem Jahre 1859: Oberriedenberg und Unterriedenberg haben zu zahlen und zu leisten oder zu liefern: Seit 1957 wird die Stelle als Kuratie bezeichnet. Seit 1982 wird Riedenberg von einem Pastoralassistenten bzw. -referenten betreut. Die bisherigen Pastoralassistenten waren Rudi Reuter und Norbert Volk, seit 1989 hat dieses Amt Pastoralreferent Bernhard Hopf inne. Die zuständige Pfarrei ist Oberbach, seit 1992 ist Reiner Fries Pfarrer in Oberbach. Seit dem Zweiten Weltkrieg zogen mehr und mehr evangelische Christen in die Gemeinde. Heute zählen etwa 170 Personen zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Wildflecken.

 

Kirchengebäude

Der erste Kirchenbau in Riedenberg geht, wie oben dargelegt, auf das Jahr 1706 zurück. Die Ausmaße waren erheblich kleiner als die der heutigen Kirche, man sprach von einer Kapelle.

Die Einwohner des fuldischen Teils von Riedenberg äußerten den Wunsch, das Gotteshaus im würzburgischen Teil mitbenutzen zu dürfen. Dieses Ansinnen wurde schließlich in Verhandlungen zwischen Würzburg und Fulda gutgeheißen unter der Auflage, dass sie ein Drittel des Unterhalts am Gebäude als auch an den Kosten für den Geistlichen zu tragen bereit wären.

1808 wurden die "Stühle" auf der Emporkirche erneuert, in der übrigen Kirche wurden sie ausgebessert. Die kleine Kirche war sicherlich sehr beengt, und so konnte in Riedenberg einer Weisung der Regierung nicht nachgekommen werden, wonach in den Kirchen Kniebänke für die Kinder angebracht werden sollten. Als Ersatz wurde wenigstens der Fußboden 1836 mit Dielen versehen.

Ein Schaden an der Kirche durch Blitzschlag ist für das Jahr 1846 nachgewiesen: Der Blitz fuhr neben dem Turm in die Kirche ein und „richtete verschiedene Verwüstungen an der Kirchendecke, den Fenstern, der Kirchentüre, dem Altar usw. an. Das Merkwürdigste dabei war, dass der Blitz selbst in den Tabernakel fuhr ohne an dem Ciborium und der Monstranz nicht das Geringste beschädigte und glücklicherweise nicht zündete". Lokalkaplan Heinrich Treitz begann mit der Planung für eine Erweiterung der Kirche. Diese Erweiterung wurde offenbar heftig diskutiert, im Pfarrbuch Oberbach wird von "teuflischen Widersachern" gesprochen. Kaplan Treitz entwarf auch die Pläne. Diese waren aber in München beanstandet worden. Durch Vermittlung von Professor Dr. Hans Reidelbach wurden sie vom Architekten Dülfer aus München unentgeltlich umgearbeitet. Im März des Jahres 1897 wurde mit den Umbau- arbeiten begonnen. Die Kirche wurde verlängert, die alten Mauern erhöhte man um 2,40 m und legte auch den Fußboden höher, Chor und Sakristei wurden neu errichtet. Der Bau verlief nicht ganz reibungslos, es kam gar zu einem Prozess mit dem "Hauptakkordanten". Zwar war die Kirche im gleichen Jahr zum Fest des Hl. Martin, des Kirchenpatrons, noch nicht ganz fertig, sie wurde aber von Dechant Helmeck aus Oberleichtersbach eingeweiht. Die zweite Erweiterung der Kirche wurde im Jahre 1977 in Angriff genommen, aber erst 1980 abgeschlossen. Einzelheiten hierzu sowie zu Renovierungsmaßnahmen, Anschaffungen und Umgestaltungen, die im letzten und in unserem Jahrhundert durchgeführt wurden, finden sich in der Festschrift zur Orgeleinweihung 1991.

Seit dem Bau des neuen Schulhauses in Oberriedenberg in den Jahren 1880/81 wurde das alte Schulgebäude die Wohnung des Kaplans. Dieses Gebäude stand quer zur Kirche. 1955 wurde das alte Gebäude eingelegt und an seinem Platz ein Neubau errichtet, das neue Kuratiehaus wurde ungefähr der Längsrichtung der Kirche angepasst.

 

Kirchenmusik

Die Kirchenmusik hat in Riedenberg große Tradition. Eine Orgel war seit dem 18. Jahrhundert vorhanden, es fielen immer wieder Ausgaben für Reparaturen oder dergl. an (z.B. 1771 oder 1802). Noch bevor das Orgelspiel in der kleinen Kirche ertönte, wurden Gottesdienste durch Chorsingen ausgestattet. Die Sänger als auch der Lehrer als Verantwortlicher erhielten von der Gemeinde eine Brotzeit. Musikanten tauchen in einer Gemeinderechnung erstmals 1789, dann wieder 1792 auf, sie erhielten von der Gemeinde eine Entlohnung für das Spielen bei den Flurgängen und für die das Jahr über gemachte Kirchenmusik.

Der Lehrer konnte seit  1863 die Ministranten beim Blasebalgtreten einsetzen, weil sich niemand in der Gemeinde finden ließ, der dies für den geringen Lohn tun wollte. Bei den Umbauarbeiten bzw. der Vergrößerung der Kirche 1897 wurde die bisherige "kleine Notorgel in der Kirche von Riedenberg" nach Rothenrain verkauft. Für die neue Orgel wurde ein Orgelmacher aus dem Fuldischen, Johann Schneider, zur alljährlichen Überprüfung und Stimmung verpflichtet. Weitere Einzelheiten zu den Orgeln in Riedenberg finden sich in der o. a. Festschrift.

Schon 1855 besaß die Kirche in Riedenberg folgende Instrumente. 3 Violinen mit 5 Bögen, 1 Altviola von 1679 mit Bögen, 4 Waldhörner (2 alte in C, 2 neue in G), 2 Trompeten, 2 D-Flöten mit 5 Mittelstücken, 2 Klarinetten in C und B. Die folgenden Instrumente waren Geschenke der Musikanten, sie gehörten der Kirche, die Musikanten hatten sich aber freien Gebrauch vorbehalten: 1 Bombardon, 1 Tenorposaune, 1 Bassposaune, 1 Altposaune, 2 Ventiltrompeten, 1 große Trommel. Fast unglaublich reichlich war die Musikaliensammlung: Die Kirche besaß 62 Titel.

 

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