Pfarrkirche "Peter und Paul" Oberleichtersbach

Kirche Oberleichtersbach

Pfarr- und Baugeschichte

Auf dem nördlich ansteigendem Hügel erhebt sich am Rande und über dem Ort die Pfarrkirche (in West-Ost-Richtung). Sicher war das 836 erwähnte "Oratorium" eine hölzerne Kirche. Denn 1153 wurde eine romanische Kirche aus Stein an dieser Stelle erbaut. Die drei Turmuntergeschosse stammen noch aus dieser Zeit. Die Urpfarrei hatte eine weite Ausdehnung. Aus ihr schieden Eckarts 1439, Kothen und Werberg 1512 und Bad Brückenau mit den heutigen Stadtteilen 1694 aus.

Im Jahre 1271 wird als erster Priester ein "Otto" genannt. Möglicherweise hat er einen Neubau der Kirche veranlasst. Das frühgotische Hauptportal an der südlichen Längswand zeugt heute noch davon, dass um 1300 die Kirche in gotischem Stil umgebaut wurde. Über dem Portal befindet sich das steinerne Wappen von Fürstabt Placidus von Droste (1678-1700). Den Endpunkt dieses Neubaues bezeichnet sicher eine kleine Glocke von 1333, die sich als eine der ältesten Glocken unserer Gegend bis heute erhalten hat. In gotischen Großbuchstaben zeigt sie die Jahreszahl und die Namen der vier Evangelisten. Zwei weitere gotische Glocken haben sich erhalten; eine etwas größere Evangelistenglocke von 1373 und eine Marienglocke von 1429.

Nur ein Pfarrer scheint sich zwischen 1559 und 1575 der evangelischen Lehre zugewandt zu haben. Nach den Wirren und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges versah ein überaus tüchtiger Seelsorger fast 50 Jahre lang die Pfarrei. Pfarrer Johannes Speckmann übernahm am 23. Februar 1652 die große Pfarrei und starb hier am 28. September 1701. Zu Beginn seiner Amtszeit kümmerte er sich um den Wiederaufbau der Gehöfte im Dorf. Dann ließ er das Pfarrhaus neu errichten und den Friedhof erneuern. 1656 wurde die Kirche, die 1629 eine "schöne Kirche mit 3 Altären" genannt worden war, hergerichtet und neu ausgestattet, weil eine Visitation erwartet wurde. In ihrem Bericht werden erstmals das Patrozinium (des Hauptaltars) "Peter und Paul" sowie der linke (nördliche) Kreuz-Altar und der rechte (südliche) Marien-Altar genannt. 1686 ließ Pfarrer Speckmann das gotische Kirchenschiff einreißen und im Barockstil neu aufbauen. Die Weihe erfolgte am 21. Mai 1691 durch Weihbischof Daniel Gudenus aus Erfurt.

Weitere Ergänzungen und Reparaturen folgten nach dem Tod von Pfarrer Speckmann: Der Orgelbauer Schleich von Bamberg erstellte 1717 eine Orgel. Der Bildhauer Andreas Weber und der Schreiner Jörg Wehner errichteten 1722 einen neuen Hochaltar mit, wie es wörtlich heißt, "sieben Statuen: als Immaculatae Conceptionis, Petri et Pauli, Nicolai et Blasii, oben Benedicti et Bonifacii". 1747 wurde der Kirchturm repariert und erhielt eine welsche Haube, vermutlich nach einem Plan des Fuldaischen Hofbauinspektors Andreas Gallasini. 1748 wurde eine Kaplanei gestiftet; 1785 wurden die beiden Seitenaltäre neu geweiht.

1958 begann dann wieder eine Welle von Erneuerungen: Von der Firma Rohlfink, Osnabrück, wurde eine neue elektrische Orgel aufgestellt. Pfarrer Winfried Kaiser ließ 1962 eine Heizung installieren und 1963 die Einrichtung erneuern. 1970 wurde der Friedhof neu gestaltet. 198/181 erfolgte eine Generalrestauration: Die Kirche wurde trockengelegt, der Steinfußboden ausgebessert, die Entlüftung in moderner Weise geregelt, Wände und Decke farblich neu gefasst, die Holzteile neu gestrichen, Hochaltar und Zelebrationsaltar neu gestaltet und die Kanzel wieder aufgestellt.

 

Baubeschreibung der Pfarrkirche

Am Außenbau lässt sich die Baugeschichte gut ablesen: Der Westturm besitzt drei Untergeschosse aus der Romanik (Mitte 12. Jh.) und eine barocke Haube von 1747. Der Chor mit 3/8-Schluß entstammt der Gotik (um 1300), der einschiffige Langhaus-Saal (Weihe 1691) dem Barock. Dem Turm antwortet über dem Chor ein Dachreiter mit Laterne.

Ausstattung: An der Südwand (mit dem Haupteingang), von West nach Ost: hl. Sebastian, an Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt; sehr bewegte und eindrucksvolle Arbeit. - Engel (beim Eingang), vermutlich aus dem alten Orgelprospekt, gedrungene Figur. - Opferstock: In Form eines Ballulsters; Holz; bezeichnet: 1690. - Kanzel: einfache, strenge Holzarbeit, um 1750; geschweifter Korpus; auf dem Schalldeckel Volutenaufsatz. - lmmaculata auf der Erdkugel mit Schlange stehend; ehemals Hauptfigur im Hochaltar; die Linke vor der Brust, die Rechte mit Lilie; reichgefaltetes silbernes Untergewand und goldenes Obergewand; wundervolle Barockarbeit. - Taufstein: Der achteckige Fuß und der Ballusterschaft sind mit Akanthusblättern besetzt; am achteckigen Becken Puttenköpfchen und Akanthuswerk; Sandstein, um 1689; im Innern Schale mit der Jahreszahl 1619.An der Nordwand, von West nach Ost: Beichtstuhl aus vortridentinischer Zeit. - Gemalter Kreuzweg (18. Jh.), davon vier Stationen an der Südwand zwischen Kanzel und Eingang. - Pietà, ursprünglich an der Außenwand; gute Holzgruppe, um 1650. - Hl. Wendelin: Kopie von Bildhauer Rupert, Hammelburg, eines barocken Originals aus dem Kloster Bildhausen (heute in der Kirche zu Salz bei Neustadt/Saale).

 

Kontaktperson:

Pfarramt Oberleichtersbach
Am Kirchberg 1
97789 Oberleichtersbach
Tel.: 0 97 41 / 93 23 17
Fax: 0 97 41 / 93 23 18

 

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